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Clusterattacke

Viele Angehörige fragen wie sie sich bei einer Clusterattacke verhalten sollen und verstehen nicht warum sie teilweise sehr aggressiv von ihrem Partner/in/Freund/in behandelt werden. Ich möchte hier einmal versuchen eine meiner stärkeren Attacken darzustellen und probiere auszudrücken, wie es mir dabei geht.


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Man erscheint in seinem Umfeld immer so stark... man ist für Jeden da, nichts kann einen erschüttern. Man ist bekannt bei vielen anderen Betroffenen. Der, der sich etwas auskennt - der, der seinen Clusterkopfschmerz immer im Griff hat.

Und dann ist sie da - die Clusterattacke.... Aus dem Nichts heraus. Vor 5 Minuten ging es mir noch prima und jetzt weiß ich dass es wieder anfängt - dass ich diese verfluchten Schmerzen wieder aushalten muss...

Ab in´s Schlafzimmer, die Hochkonzentrationsmaske in die Hand, den Sauerstoff aufgedreht. Der Beutel füllt sich. Die Schmerzen werden sehr schnell unerträglich. Endlich kann ich mir die Maske über das Gesicht stülpen - der Reservoirbeutel ist gefüllt. Nach 5 Minuten immer noch keine Linderung. Oh Gott - der Sauerstoff hilft heute nicht... Bereits jetzt weiß ich dass diese Attacke sehr krass wird.

Die Schmerzen sind nicht mehr auszuhalten - ich fange an zu weinen - wie ein kleines Kind. Wo ist sie jetzt - meine viel gerühmte Stärke? Zunichte gemacht durch einen blöden "Kopfschmerzanfall".

Mein Körper verkrampft sich total. Ich liege verkrümmt auf dem Bett, immer noch die Sauerstoffinhalationsmaske auf dem Gesicht, jetzt bereits 10 Minuten - und immer noch keine Wirkung. Ich muss doch sitzend inhalieren... Ich richte mich wieder auf - wird es jetzt besser?
Nein... Die Schmerzen strahlen immer weiter aus. Die Nase ist zu und läuft, die Zähne schmerzen, der Hals schmerzt, das Auge tränt immer mehr. Ich bekomme Hitzewallungen, Schweißperlen auf der Stirn, und die Schmerzen werden immer noch stärker. Ich dachte es gibt keine Steigerung mehr und werde, wie schon so oft zuvor, eines Besseren belehrt.

Ich greife zum Imigran ®-Pen und reiße die Verpackung mit zitternden Fingern auf. Ich hasse Spritzen aber das ist mir in diesem Moment egal. Pen laden, auf das Bein, und abgedrückt. Ich zähle die Sekunden - warum wirkt es noch nicht? Wirkt es überhaupt?

Die Sekunden werden zu Stunden. Es ist doch bereits 2 Minuten her - warum spüre immer noch keine Linderung. Das Imigran ® wirkt nicht. Warum wirkt es dieses Mal nicht? Die Panik wird immer größer. Wenn es wirklich nicht wirkt - wie lange wird die Attacke dauern?

Wo ist er jetzt - der, der sich mit Cluster auskennt - der, der fast auf alle Fragen eine Antwort hat? Ich sitze da wie ein Häufchen Elend verkrümmt auf meiner Bettkante - heulend - und kann mir selbst nicht helfen. Am Abend zuvor habe ich noch telefoniert, Hoffnung gestreut - man kann mit Cluster und den richtigen Medikamenten eigentlich ganz gut leben.... WIE DENN - mit solchen Schmerzen?
Wer gibt mir das Recht Anderen gute Tips zu geben wenn ich in diesem Augenblick selbst nicht mit meiner Krankheit klar komme?

Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Wie wird es Morgen, Übermorgen, in ein paar Jahren. Wie oft werde ich diese Schmerzen noch aushalten müssen? Gibt es irgendwann eine Therapie? Hoffnungslosigkeit - Ausweglosigkeit...

Immer wieder spüre ich den glühenden Nagel in meinem Auge. Wann wird er endlich herausgezogen? Wann ist endlich Ruhe? Warum ich? Warum jetzt? Wem habe ich so viel Böses getan, dass ich solche Schmerzen aushalten muss?

Dann, nach weiteren endlosen 4 Minuten, endlich leichte Besserung. Gott sei Dank - die Imigranspritze wirkt. Der Körper entkrampft sich langsam. Es wird immer besser. Nach weiteren 10 Minuten nur noch Restschmerz. Ein totales Glücksgefühl entsteht - es ist endlich vorbei....

Mein Körper entspannt sich immer mehr. Das Glücksgefühl schwindet langsam - Müdigkeit macht sich breit. Mein Körper ist total ausgelaugt. Und wieder ist ein Anfall überstanden. Hoffentlich dauert die Zeit bis zum Nächsten noch sehr, sehr lange.....


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Das ist so ungefähr ein Ablauf wie er manchmal bei mir stattfindet. Vielleicht können sich jetzt Angehörige und Freunde vorstellen, dass man in dieser Zeit eigentlich nur in Ruhe gelassen werden will. Die wirklich gut gemeinten Ratschläge kann und will man in dieser Situation gar nicht annehmen. Ich möchte in diesem Augenblick eigentlich nur die Schmerzen loswerden und weiß, dass ich hierbei auf mich selbst gestellt bin....


© Peter Kinast 2007

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